Individual- statt Standard-Software für CRM und MarTech liegt im Trend

Rückblick 2019 Teil 2: Ein Trend? Tesla und Lyft entwickeln individuell Software-Applikationen im Bereich CRM

Gegeben hat es Individual-Programmierung für CRM und MarTech schon immer, nur wurde selten darüber berichtet. In letzter Zeit meist nur noch für bestimmte Module oder spezielle Bereiche. Für jede Branche wurden Templates oder Standards entwickelt. So wurde der Eindruck vermittelt, eine Individual-Programmierung ist nicht mehr notwendig. Doch es scheint: Individual- statt Standard-Software für CRM und MarTech liegt im Trend.

Individual- statt Standard-Software für CRM und MarTech liegt im Trend:

Vor 30 Jahren startete ich meine berufliche Laufbahn bei Yves Rocher. Ich durfte innerhalb meiner 8 Jahre viele Entwicklungsprojekte betreuen, in denen Anwender und IT koordiniert werden mussten. Alles war damals individuell auf die Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten. Kein Standard. Seit ca. 20 Jahren veränderte sich der Software-Markt. Immer mehr Standard-Software kam auf den Markt. Alles nach dem Vorbild der SAP-ERP. Gerade die Schwächen der ERP-Anbieter führten zu einem nach wie vor Wachstumsmarkt für neue Software: Die CRM- und MarTech-Software.

Und der Markt wächst und wächst

Aktuelle Markt-Einschätzung ist: „The global CRM software market was valued at about $25.5 billion in 2018 and is expected to grow to $36.53 billion at a CAGR of 9.4% through 2022. Major players in the market are Salesforce, Microsoft, Oracle, SAP and SugarCRM.“ Quelle: BusinessWire (Erklärung der Abkürzung: CAGR steht für Compound Annual Growth Rate: Jährliche Wachstumsrate, Quelle Wikipedia) Das Gartner-Analysten-Team spricht sogar schon für 2018 von einem höheren Wert: „Worldwide spending on customer experience and relationship management (CRM) software grew 15.6% to reach $48.2 billion in 2018 …“

Mit Customizing zur Individualisierung des Standards

Mit diesen CRM- und MarTech-Anbieter kamen auch der Begriff „Customizing“ hinzu. Das bedeutet, man muss sich nicht am Standard festhalten, sondern kann mit eigenen Programmierern oder Dienstleistern sich das Produkt auf seine Bedürfnisse anpassen (customizen).

Einige Unternehmen blieben nahe am Standard und wurden damit unglücklich. Andere programmierten weit über den Standard hinaus ihre eigene Welt, um so einen USP zur Konkurrenz zu erhalten, die eigenen Prozesse maximal unterstützt zu bekommen. Das war in vielen Fällen jedoch mindestens so teuer, wie die Individualprogrammierung. Nach einigen Jahren kam dann oft der große Schock: Das Standardprogramm wird nicht mehr weiterentwickelt. Das Unternehmen musste eine neue Software auswählen. Und nach erfolgter Auswahl mussten nun die Besonderheiten der letzten Jahre alle neu programmiert oder customized werden.

Doch zu viel Aufwand, die Standard-Software anzupassen? 2019 gab es hierzu zwei interessante Meldungen

Zum einen berichtete Tesla, dass es Salesforce durch eine eigene CRM-Software ablöst. Zum anderen berichtete auch der Konkurrent von Uber, Lyft, dass ein Team von ca. 20 Leuten eine eigenen Marketing-Automation-Lösung programmiert hat. Individual-Software statt Standard-Lösungen für CRM und MarTech liegt im Trend.

Das ist mittlerweile auch viel einfacher geworden. Schon auf der MarTech-Conference 2018 in Boston stellte Scott Brinker das Chart 67 (in der verlinkten Präsentation) vor, welches ganz klar die Entwicklung von Low Code und No Code (LCNC) Software zeigt. Im Januar schrieb Barry Levine von Third Door Media über Scotts Ideen. Im April, zu Vorstellung der 2019 MarTech-Landscape ergänzte Scott diese Aussagen noch zusätzlich. Diese LCNC genannte Entwicklung ermöglicht es dem Anwender selbst Apps oder Module zu verknüpfen oder zu installieren.

Fazit bzw. Schlussbemerkung:

Am Ende ist es wie mit KI: Es ist notwendig diese Funktionalitäten zu verstehen, wie das Ganze funktioniert. Ohne tiefergehende Programm-Kenntnisse bzw. Schnittstellen funktioniert das nicht.

Und aus Sicht der TCO-Betrachtung (Total Cost of Ownership) kann es sehr wohl langfristig günstiger sein, Teile oder ganze Module individuell zu programmieren lassen. Vor allem dann, wenn dadurch der USP der Firma bzw. Geschäftsmodells perfekt unterstützt und herausgearbeitet werden kann. Das zeigt das Beispiel von Lyft.

Bildquelle: Pixabay.com

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