20 Jahre Salesforce – ein Rückblick

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Marc Benioff gründete 1999 den CRM-Anbieter Salesforce. Es war das erste Unternehmen, das Software über die Cloud anbot. Nun ist die Diskussion über das Thema Datenschutz in der Cloud nicht zuletzt aufgrund der EU-DSGVO neu entfacht. Dabei stehen Kundendaten oftmals im Mittelpunkt und hierbei sollte nicht vergessen werden, dass SaaS-Anbieter im Auftrag ihrer Kunden unglaubliche Mengen persönliche Daten, die weit über E-Mail-Adressen hinausgehen, speichern und verarbeiten. Von daher ist es notwendig, das ehemalige SaaS-Modell in einen modernen Kontext zu stellen und die Entwicklungen der vergangenen fast zwei Jahrzehnte zu integrieren, sodass Enterprise-Software ihr volles Potenzial entfalten kann. Dabei lässt sich feststellen, dass die Grenzen SaaS und On-Premise-Anwendungen immer mehr verschwinden.

Benioffs ursprünglichen Argumente für ein Cloud-basiertes SaaS-Modell

2009 veröffentlichte Benioff das Buch „Behind the Cloud“. In diesem nannte er folgende vier Gründe, die für ein Cloud-basiertes SaaS-Modell sprechen:

  • Der Erfolg des Verkäufers richtet sich an dem des Kunden aus. Dafür sorgt ein abonnementenbasiertes Preismodell. Mit jedem neuen Kunden, der die Software nutzt, steigt der Preis stetig an. Im Gegensatz dazu erfordern Client-Server-Lösungen gleich am Anfang enorme Investitionen und stellen damit eine hohe finanzielle Barriere dar.
  • Software-Lösungen, die über einen Web-Browser verfügbar sind, erfreuen sich einer höheren Akzeptanz. Anwender können jederzeit und geräteunabhängig auf die Software zugreifen. Hinzu kommt, dass Unternehmen aufwendige Client-Installation sparen.
  • Die Hardwareinvestitionen werden bei einem Cloud-basierten SaaS-Modell geteilt. 1999 war dies noch ein wichtiger Aspekt: So kostete ein GB RAM noch rund 1.000 $.
  • Die Software ist schneller verfügbar, denn Installation, Wartung und Upgrades entfallen. Benioff war, bevor er Salesforce gründete, bei Oracle. Es dauerte seiner Zeit in der Regel mehrere Monate, bis eine Oracle-Installation vollständig abgeschlossen war.

Auch zahlreiche Start-up-Unternehmen überzeugten diese Argumente, so dass die Zahl der cloudbasierten Lösungen massiv anstieg.

2018 sieht die IT-Welt anders aus

Heute ist klar, wie vorausschauend Benioff damals die Welt in Richtung SaaS getrieben hat. Von seinen vier oben genannten Gründen sind ihm die beiden erst genannten die wichtigsten:

  • Subskription ist die Basis für das richtige Preismodell: Das Preismodell, bei dem über Abonnenten abgerechnet wird, hat sich für Software und inzwischen viele andere Geschäftsmodelle wie Glossy Box oder myMüsli, als der effektivste Weg erwiesen, Kunden- und Lieferantenerfolg zu erzielen. Zahlreiche Anbieter, wie beispielsweise Adobe oder Microsoft, haben ihr Preismodell auf dieses adaptiert.
  • Eine hohe Anwenderakzeptanz ist entscheidend: Softwarelösungen, auf die der Anwender über einen Browser oder native Apps zugreifen kann, sind mittlerweile allgegenwärtig. Anwender erwarten dieselbe User Experience bei der IT im Geschäftsalltag wie im privaten Leben.

Die anderen beiden Argumente, die Benioff 2009 aufgeführt hat, kommen heute nicht mehr zum Tragen. Schließlich sind die Hardwarekosten seitdem massiv gesunken, so dass hier keine hohen Investitionen abschrecken. Auch die Installation von Software-Lösungen bzw. deren Updates ist mittlerweile wesentlich einfacher, wenngleich letztere aufgrund des Datenvolumens bzw. der Datenmigration immer noch einen erheblichen Aufwand darstellen.

Was Benioff nicht vorhersah

In den vergangenen Jahren kamen weitere Faktoren auf, die die ursprüngliche Definition von SaaS infrage stellen. Die Ironie liegt dabei darin, dass es zahlreiche Gründe gibt, Software wieder in Richtung Self-Hosting und -Management zurückdrängen, die unmittelbar auf den Erfolg von SaaS und Cloud Computing im Allgemeinen zurückzuführen sind.

  • Es gibt nun auch die private Cloud, die es Unternehmen ermöglicht, die Kontrolle über ihr Betriebssystem, Software und vor allem ihre Daten zurückzuerlangen, während sie lediglich das physikalische Management der Hardware auslagern.
  • Die Folgen von Edward Snowdens sowie den manchmal fragwürdigen Datenschutzpraktiken von Unternehmen wie Facebook, haben Behörden und Unternehmen wachgerüttelt. Für sie ist mittlerweile der Datenschutz sehr wichtig. Die Nutzung von Lösungen, die in einem anderen Land gehostet oder von einem Dritten verwaltet werden, stellt Unternehmen vor zahlreiche rechtliche Probleme. Die EU-DSGVO tut das Übrige dazu, sodass Unternehmen sehr sorgfältig prüfen müssen, wie sie ihre Daten schützen, um damit eventuellen empfindlichen Strafen aus dem Weg zu gehen.
  • Das Risiko von Datenverstößen ist höher als je zuvor. Hier ist vor allem das erhöhte Risiko durch Cyberkriminalität zu nennen, mit der Unternehmen konfrontiert sind, wenn sie Spuren bei der Nutzung von Saas-basierten Produkten hinterlassen. Hier ergeben sich für Angreifer leicht zugängliche Einstiegspunkte für kriminelle Machenschaften.
  • Anwendungen sind wesentlich leichter portierbar. Im Rahmen der SaaS-Revolution stand die Entwicklung Cloud-basierter Lösungen zunächst im Vordergrund. Heute geht es vielmehr darum, dass die Implementierung in jeder beliebigen Infrastruktur replizierbar ist. Dieses sogenannte Cloud-native Computing bedeutet, dass eine komplexe Anwendung, die in einer mandantenfähigen Cloud-Umgebung genutzt wird, sehr einfach in einem privaten Rechenzentrum adaptiert werden kann.

Der CIO dreht den Spieß einfach um

Nicht selten verwenden einzelne Mitarbeiter oder kleine Teams in Unternehmen kostenlose SaaS-basierte Softwaretools, ohne das der CIO davon Kenntnis hat. Um diese Schatten-IT zu vermeiden, muss er entsprechende Maßnahmen treffen, wie beispielsweise eine lizenzpflichtige Variante zu implementieren. Damit muss er zwar eine zusätzliche Software warten, hat aber den Vorteil, dass er wieder die Kontrolle über die im Unternehmen genutzte Software zurückerlangt. Außerdem wird über  eine Integration Platform as a Service (iPaaS) die Datenzusammenführung wieder einfacher. Darüber hinaus hat das Unternehmen mit Customer Data Platforms (CDP) das Unternehmen den oft zitierten 360 Grad Blick auf den Kunden und ist, falls der der Kunde nach der DSGVO Auskunft über seine Daten verlangt, auskunftsfähig.

Die Zukunft von Software ist standortunabhängig

Mit zunehmendem Tempo der technologischen Entwicklungen steht die frühere Generation von SaaS-Unternehmen vor einer ähnlichen Zukunft wie die „alten“ Softwareanbieter, die sie einst verdrängt haben. Von Mainframe bis hin zur Cloud verfolgt der CIO das Ziel, die richtige Balance zwischen Kosten, Funktionalität, Kontrolle und Flexibilität zu finden. Native Cloud-Lösungen, die eine Vielzahl von IT-Facetten umfassen und häufig auf Open-Source-Software basieren, sind in Lage, sich schnell neuen Trends anzupassen.

Das Problem für viele der größten SaaS-Anbieter von heute ist, dass sie in der Zeit vor der eigentlichen Cloud-Hype gegründet wurden und somit zum Teil technische oder kulturelle Altlasten mitschleppen. Wenn sie den notwendigen Übergang nicht schaffen, werden sie von einer neuen Generation von SaaS-Unternehmen (und möglicherweise von traditionellen Softwareanbietern) überholt. Diese nächste Generation von Anbietern wird mehr Kontrolle in die Hände ihrer Kunden legen, während sie sich gleichzeitig auf die Weiterentwicklung ihrer Produkte konzentriert.

Marc Benioff und Salesforce haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu Recht für die „No Software“-Bewegung eingesetzt, da das von ihnen angestrebte Modell der Unternehmenssoftware zerstört werden musste. Dabei behalf sich Salesforce, indem es eine Cloud-Computing-Bewegung anstieß, die schließlich die Regeln für die Unternehmens-IT und jetzt auch für SaaS selbst neu schreiben würde.

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