Roadmap-Muster 1A Relations

Wie transparent gehen CRM- und MarTech-Software-Anbieter mit ihrer Roadmap um?

Warum ist das Thema so relevant bei der CRM- und MarTech-Software-Auswahl?

Innerhalb unserer Software-Auswahl-Beratung stellen wir den Anbietern immer die Fragen: Welche Roadmap habt Ihr in den nächsten 12 bis 18 Monaten? Was sind jetzt schon absehbare Highlights? Der Kunde wünscht sich das Modul bzw. Thema XY, wann kommt dieses Feature? Lohnt es sich zu warten?

Auf diese Fragen bekommen wir ab und zu eine klare Antwort, meistens ist die Antwort eher wachsweich bis „das möchten wir nicht sagen, das ist geheim“.

Auf der Seite des Beraters, vor allem aber des Kunden, besteht der Wunsch dazu, Klarheit zu haben. Die Entscheidung für eine CRM- bzw. MarTech-Software ist eine Bindung auf Jahre. Eine spätere Scheidung wird meist richtig teuer. Und daher ist das Wissen über die generelle Entwicklungsfreudigkeit sowie -geschwindigkeit wichtig. Vor allem, wenn die Anwender-Entscheidung noch nicht 100% sicher zu treffen ist, z. B. wenn wichtige Anforderungen des Kunden auf Anbieterseite noch nicht umgesetzt sind.

Welche Anbieter zeigen öffentlich Ihre Roadmap?

„Auf geht es!“ dachten wir und recherchierten mal eine Viertelstunde. Wer zeigt öffentlich seine Roadmap? Das Ergebnis war eher ernüchternd. Wenige Anbieter waren zu finden, die Angaben dazu meist sehr knapp.

Fangen wir mit dem positiven Beispiel an

Chimpify, bietet – nach eigenen Angaben – eine „Komplettlösung für Inbound Marketing“ an. Die Chefs von Chimpify gehen dabei sehr transparent mit der Roadmap um. Auf Trello, einem oft genutzten Kollaboration-Tool, kann jeder nachlesen, was derzeit im Status Brainstorming, Idee, Next Up oder In Progress ist.

Chimpify Trello Roadmap

Die Chimpify Product Roadmap – als öffentliches Trello-Board!

Natürlich werden die Anwender aufgefordert, sich mit Ideen zu melden. Sie erhalten dazu schnell ein erstes Feedback.

Zwischenfazit: Sehr lobenswert.

Was wir derzeit noch nicht geprüft haben, ist die Verschiebungsgeschwindigkeit der Trello-Karten von Status zu Status bis zur Umsetzung. Das ist heute jedoch nicht unser Thema.

Zweites positives Beispiel: Microsoft betreibt einen CRM-Software-Blog. In diesem können Microsoft-Partner Beiträge schreiben und einer dieser Beiträge zeigt die Entwicklung von Dynamics CRM. Mehr aus der Vergangenheit heraus als was in Zukunft noch so kommt. Ok, spannend, mal die Entwicklungsschritte im Rückblick zu sehen. Aber unser Ziel war ja ein anderes.

Auf der eigenen Microsoft-Seite gibt es eine Unterseite, die durchaus einiges bietet. Über mehrere Klicks landet der Interessierte auf der englischsprachigen Roadmap, die z. B. 13 Features für Sales, 8 Features für Marketing und 4 Features für Service usw. darstellt. Lobenswert ist die Beschreibung, für wen und bis wann das jeweilige Feature zur Verfügung steht, welchen Business Value es aus Sicht von Microsoft hat und welche Details im Feature gelöst werden.

Zwischenfazit: Sehr gut und sehr ausführlich

Wer zeigt noch Einblicke „hinter die Kulissen“?

Wie oben beschrieben war das Ziel, mit wenigen Klicks zu recherchieren und auf interessante Ergebnisse zu stoßen. Selbst mit der Eingabe des Herstellers oder des Produktnamens fanden wir innerhalb einer Suche von ca. 15 Min. nur noch von Salesforce ein paar relevante Informationen. Diese Angaben waren im Vergleich zu den o. g. Beispielen eher spärlich.

Wir fanden bei Salesforce einen schon etwas veralteten Überblick zur Lightning experience. Dies ist eine Auflistung von Features anhand einer sehr kurzen Beschreibung und bei weitem nicht so ausführlich wie Microsoft. Ergänzend sieht der Suchende einen zeitlichen Indikator, wann dieses Feature ungefähr auf den Markt kommt bzw. im Produkt zur Verfügung steht.

Zwischenfazit: Nicht besonders erhellend. Aber bei direkter Nachfrage bekommt man schon eine ordentliche Auskunft.

Kann eine Interessierter, ein Analyst, ein Berater mit diesen Infos etwas anfangen?

Roadmap-Informationen werden also als Geheimnis verwaltet. Woran kann das liegen? Zum einen muss ein kleiner Anbieter erst mal eine Roadmap haben. Große Unternehmen wie Microsoft und Salesforce treiben den Markt und werden von deren großen Kunden getrieben. Die eigene Entwicklungsgeschwindigkeit lässt diesen Anbietern den Raum, Klarheit über die ungefähren Termine zu geben. Vieles ist mit einem Vorlauf von 6-9 Monaten heute schon abzusehen.

Kleinere Unternehmen wie Chimpify, die eine eigene Roadmap haben, wollen sich dennoch nur selten in die Karten schauen lassen. Sehr oft entwickeln diese Unternehmen nicht aus einer eigenen Roadmap das Produkt weiter. Der Treiber ist „wenn ein Kunde das Feature haben möchte und auch noch dafür bezahlt“. Dann entwickelt der Anbieter willig, weil er nicht ins Risiko gehen muss. Und er kann diese Neuheit anderen auch zur Verfügung stellen.

Daher befragen viele kleinere CRM- und MarTech-Anbieter ein bis zwei Mal im Jahr ihre Kunden und versuchen, deren Rückmeldungen zu bündeln. Daraus entsteht dann die Roadmap.

Der eine oder andere Anbieter bekommt zusätzliche Features durch seine Partner entwickelt. Das beschleunigt zwar die gesamte Produktentwicklung, ist aber keine strategische Steuerung, sondern klassisch kundengetrieben.

Fazit

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob er nicht etwas Besseres findet. Die Frage nach einer Roadmap wird also nur ungern beantwortet und schon gar nicht gerne veröffentlicht. Wichtig ist die Frage für den Anwender-Entscheider dennoch. Denn die Antworten zeigen a) wie der Anbieter mit dieser Information umgeht (Stichworte sind Planung und Transparenz), b) auf welche Entwicklungen sich der Kunde freuen darf oder c) ob der potenzielle Kunde lieber einen anderen Anbieter wählen sollte, weil er sonst auf ein wichtiges Feature zu lange warten muss oder die gewünschte Entwicklung teuer bezahlt.

Ein Tipp zum Schluss:

Wenn Sie sich schon bei den Entwicklungskosten beteiligen, dann lassen Sie sich das zeitlich exklusiv (z. B. 1 Jahr) schützen. Oder vereinbaren Sie eine Rückvergütung im Falle von weiteren Lizenzierungen des von Ihnen mitentwickelten Modus an andere Unternehmen. Denn Sie haben Know-how, Gehirnschmalz, Zeit und Geld investiert und damit den Anbieter fit gemacht. Sobald die Entwicklung mit Ihnen abgeschlossen ist, vermarktet der Anbieter dieses Modul und „schwups“ profitiert Ihre Konkurrenz davon. Das kann nicht Ihr Interesse sein.

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Bild: 1A Relations

 

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